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  • Daniela Eglseder

Wenn die Katze nach Unfall oder Krankheit körperliche Einschränkungen hat

Aktualisiert: 22. Nov.

Rehabilitation wird in der Welt der Menschen groß geschrieben; erleidet jemand bei einem Unfall schlimme Verletzungen an seinem Bewegungsapparat, dann folgen auf die notwendigen Operationen sofort physiotherapeutische Maßnahmen. Im Anschluss auf den Krankenhaus Aufenthalt kommt dann die Rehabilitation, kurz Reha genannt, um den Genesungsprozess zu unterstützen und die vollständige Wiederherstellung des optimalen Zustandes voran zu treiben.


Rehabilitation bei Katzen, geht das?

Ja das geht. Genauso wie bei Menschen können Massagen, aktive und passive Bewegungsübungen sowie diverse physiotherapeutische Maßnahmen den Genesungsprozess unterstützen und voran treiben. Hier spielt die Compliance der Katze und auch die der Halter und Halterinnen eine große Rolle. In der physiotherapeutischen Praxis werden nach wie vor mehr Hunde als Katzen behandelt und die Gründe dafür sind verschieden; einer davon ist bestimmt, dass die Notwendigkeit bei der Katze seitens der Halter und Halterinnen nicht erkannt oder als sinnvoll erachtet wird oder einfach auch überhaupt nicht bekannt ist, dass es diese Möglichkeit überhaupt gibt.


Es gibt Katzen die lieben Massagen und genießen diese so richtig, was wiederum einen Effekt auf die psychische Befindlichkeit hat. Bedenkt man hier, dass die Psyche einen direkten Bezug zu Krankheiten hat und umgekehrt, ist das auch als prophylaktische, also als vorbeugende, Maßnahme an zu erkennen.

Katzen sind nicht wie Hunde, auch wenn sie oftmals wie kleine Hunde behandelt und angesehen werden. Eine Katze tut nichts uns Menschen zu liebe, sie tut das, wonach ihr der Sinn steht, ihrer Intuition und ihrem Instinkt entsprechend. Katzen ziehen sich zurück, wenn sie sich unwohl fühlen, Schmerzen haben oder auch ernsthaft krank sind. Daher werden manche Erkrankungen leider erst entdeckt, wenn diese bereits fortgeschritten sind. Auch hier rate ich dazu, seine eigene Katze gut zu beobachten um Veränderungen im Tagesablauf der Katze und ihren Verhaltensweisen zu bemerken und entsprechend darauf reagieren zu können.


Bandscheiben Vorfall bei der Katze

Die Wirbelsäule besteht aus Wirbeln welche knöchern sind. Zwischen den jeweiligen Wirbeln liegt jeweils eine Bandscheibe, die die Funktion eines Stoßdämpfers hat und zusätzlich der Wirbelsäule eine gewisse Bewegungsfreiheit gibt. Eine Bandscheibe besteht aus einem äußeren, festen Ring und einer gallertartigen Masse innen. Bei einem Bandscheiben Vorfall kann der äußere Ring dem Druck nicht mehr standhalten und der innere Teil wölbt sich nach außen. Nerven die sich in diesem Bereich befinden, werden eingeklemmt und so kann es zu Lähmungen oder auch zu einer Querschnittslähmung führen.


Fallbeispiel: Rehabilitation bei dem Kater Leo auf Grund einer Bandscheiben Schädigung

Leo, EKH, 11 Jahre alt, kam im Sommer zum stationären Aufenthalt zu mir, mit einer Halbseitenlähmung rechts auf Grund einer Schädigung im Bereich der Bandscheibe.

Laut behandelndem Tierarzt würde die Regeneration dieser Lähmung ohne Maßnahmen

12 Wochen in Anspruch nehmen. Leos Haustierärztin schickte Leos Familie zu mir, um zeitnah mit den unterstützenden Maßnahmen beginnen zu können. Über Clickertraining erarbeiteten Leo und ich uns eine vertrauensvolle Basis - dazu sagen muss ich, dass ich von Leo netterweise einen Vertrauensvorschuss bekam.


Jeden Tag absolvierten wir zwei Einheiten die aus Massagen, Bewegungsübungen aktiv und passiv, der Anwendung eines Lasers und Futterspielen bestanden. Leos Pfote wurde schön langsam beweglicher und einen Tag vor seiner Abreise, spazierte er durch sein Zimmer und belastete dabei erstmalig wieder seine Pfote. Die Freude war groß bei uns allen; Leo spazierte seiner Familie flotten Schrittes am Tag der Abholung entgegen und machte auch zu Hause weitere Fortschritte, von der Halbseitenlähmung ist nichts mehr zu bemerken, er zeigt einen normalen Bewegungsablauf.


Leo konnte zu seiner Familie und seinen Katzenkumpels nach Hause kehren und wieder seinen Lieblingskratzbaum erklimmen.


Wenn Katzen Autounfälle erleiden

Durchgeführte Studien ergaben, dass vor Allem junge Katzen und hier vermehrt Kater besonders gefährdet sind, Opfer eines Verkehrsunfalles zu werden. Weiters passieren die meisten Unfälle und nicht weit weg von zu Hause. Die traurige Wahrheit ist, dass die meisten Autofahrer die eine Katze an- und überfahren, nicht stehen bleiben sondern einfach weiter rasen und der Katze ihrem Schicksal überlassen. Die wenigsten Menschen wissen, dass dies laut Tierschutzgesetz als Tierquälerei gilt und zur Anzeige gebracht werden kann. Denn dieses einfach weiter fahren und der Katze nicht helfen oder zumindest Hilfe zu holen, bedeutet für viele Katzen dass sie ohne medizinische Versorgung sterben und dies oftmals sehr qualvoll.

Zu Verletzungen an Knochen, Bändern und Muskeln kommt es nach Autounfällen recht häufig. Hier sind Verletzungen am Hinterbein viel häufiger als am Vorderbein und in einer Studie zeigten 73 Prozent der verunfallten Katzen Brüche an den hinteren Extremitäten inklusive Becken und dem Kreuzbein.


Psychische Gesundheit

Noch einmal möchte ich auch hier darauf hinweisen, dass so ein Zusammenprall mit einem Auto auf jeden Fall ein traumatisches Erlebnis für Katzen ist, hier im psychischen Sinne gemeint. Auch dies sollte bei der Genesung unbedingt mit berücksichtigt und in den Genesungsprozess mit einbezogen werden. Hier gilt es, alles zu tun, damit die Katze sich sicher fühlt zu Hause, ihren ungestörten Rückzugsort hat und andererseits auch unterstützt wird darin, nach einer angemessener Zeitspanne wieder dem gewohnten Tagesablauf zu folgen. Liebe, Zuwendung, ein ausgewogenes Zuwenden und "in Ruhe lassen", Verständnis und Geduld sind für mich ebenso wichtige Eckpfeiler des Genesungsprozesses wie die medizinische Versorgung und werden leider oftmals viel zu wenig mit ein bezogen wenn es darum geht, wieder gesund zu werden.


Fallbeispiel: Rehabilitation bei Kater Samir nach Autounfall

Samir, EKH, 2 Jahre alt wurde von der Tierschutzorganisation Streunerkatzen OÖ eingefangen, da er sein rechtes Hinterbein nur zwischen seinen Vorderbeinen durchgestreckt trägt und sich so auf drei Gliedmaßen vorwärts bewegt. Die medizinischen Untersuchungen brachten keine Ergebnisse die diesen Bewegungsablauf erklären konnten; es ist an zu nehmen, dass er von einem Auto angefahren und seine Verletzungen unbehandelt blieben. Die behandelnde Tierärztin schickte die Tierschutzorganisation zu mir und im Rahmen des Vorgespräches vereinbarten wir einen stationären Aufenthalt.

Samir schaffte täglich drei Reha Einheiten: Massage, aktive und passive Bewegungsübungen sowie Laseranwendungen und er fand alles immer super. Bei den Massagen legte er sich bereitwillig auf die Seite und begann zu schnurren und mich im Gesicht zu putzen. Beim passiven Durchbewegen seiner Gelenke zeigte er sich anfangs skeptisch, erduldete es aber. Nach einigen Wochen begannen wir mit dem Bewegungstraining im Freien, Bewegung auf unterschiedlichen Untergründen wie Gras, Erde, Steinchen, Beton etc. Und Samir schaffte seine ersten Schritte mit allen vier Gliedmaßen am Boden, ein Meilenstein.

Samir brauchte dies auch für seine psychische Gesundheit, die Bewegung draußen ermöglichte stets den Einsatz aller seiner Sinne und mehr als einmal legte er dabei ein rasantes Tempo an den Tag. Den Kontakt mit anderen Katzen empfand er zusätzlich als Ansporn sich noch mehr zu bewegen und im gemeinsamen Spiel mit ihnen seine Fertigkeiten zu schärfen.

Vor ihm liegt noch ein langer Weg, der Kleine zeigt so einen starken Willen bei einem sehr sanften Gemüt, sodass ich sehr zuversichtlich bin hinsichtlich seiner vollständigen Rehabilitation.



Dauer eines Aufenthaltes

6 - 12 Wochen dauert ein Aufenthalt wenn es um rehabilitierende Maßnahmen geht. Je schneller nach der medizinischen Versorgung damit begonnen werden kann, umso besser. Den Therapieplan passe ich individuell an die jeweilige Katze an, immer auch das seelische Wohlbefinden im Auge behaltend und ich stehe stets in engem Austausch mit den Familien und bei Bedarf dem behandelnden Tierarzt der Katzen. Der Aufenthalt findet hier in einem ausgestatteten Katzenzimmer statt und bei Bedarf kann auch in die Gruppenhaltung gewechselt werden.


Arthrose bei der Katze

Grundsätzliche können alle Gelenke von arthrotischen Veränderungen betroffen sein und bezeichnet den voranschreitenden Verschleiß von Gelenken. Der zunehmende Verlust des Gelenkknorpels führt zu Veränderungen; unter dem Knorpel befindet sich der Knochen und da die natürliche Pufferfunktion des Knorpels immer weniger wird kommt es zu einer starken Belastung des Knochens. Arthrose ist nichts was wieder gut wird und ist außerdem schmerzhaft; also je mehr der Knorpel geschädigt ist, desto stärker schmerzen Bewegungen, da die Knochen direkt aufeinander reiben.

Katzen zeigen diese nicht durch Lahmheit, sondern durch Veränderungen in ihrem Verhalten. Sie springen z.B. nicht mehr auf den geliebten Kratzbaum, bewegen sich steifer und deutlich weniger, meidet das Treppensteigen, manche spielen kaum mehr, zeigen aggressive Verhaltensweisen, Ängstlichkeit, werden unsauber und meiden den Kontakt zu ihren Menschen oder den anderen Katzen.

Arthrose tritt bei Katzen vor Allem an den Gelenken der Ellbogen, der Hüfte, der Knie und der Pfote auf. Je mehr sich die Katze bewegt um so geschmeidiger werden ihre Bewegungen wieder; es ist also essentiell dass die betroffene Katze sich weiterhin bewegt und hier kann man sie gut mit Wärme, Massagen sowie aktiven und passiven Bewegungsübungen unterstützen. Eine angepasste Schmerztherapie sollte hier auf jedem Fall mit dem behandelnden Tierarzt besprochen werden, ebenso die Gabe von unterstützenden Nahrungsergänzungsmitteln.

 

Es ist möglich den Katzen ihren Alltag zu erleichtern und sie dabei unterstützen bestmöglich versorgt zu werden sodass alles an Möglichkeiten genutzt wird, um die Aussichten auf Genesung zu verbessern. Und sie danken es einem täglich ...........




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